Fotografische Serien zwischen Symmetrie, Spiegelung und Konstruktion

 Durch Multiplikation, Spiegelung und Neuanordnung fotografischer Aufnahmen aus verschiedenen Zeitebenen entstehen komplexe Bildräume, in denen der fotografische Moment in eine neue visuelle Gleichzeitigkeit überführt wird. Mehrere Augenblicke scheinen nebeneinander zu existieren und in einem einzigen Bild aufzugehen. Es wird dazu eingeladen vertraute Sehgewohnheiten zu hinterfragen und Wahrnehmung neu zu erleben. Obwohl alle drei Serien auf ähnlichen formalen Prinzipien beruhen, entwickeln sie jeweils eine eigene visuelle Sprache. Wiederholung, Symmetrie und Spiegelung bilden das gemeinsame Fundament, werden jedoch unterschiedlich eingesetzt: mal als ornamentale Verdichtung, mal als geometrische Ordnung, mal als bühnenhafte Inszenierung.

In der Fotoserie „kaleidoscopes“, die hauptsächlich aus Drohnenaufnahmen besteht, entstehen  aus realen fotografischen Motiven durch Spiegelung und Neuordnung abstrakt wirkende Bildkompositionen. Kleine Details durchbrechen die scheinbar ideale Ordnung. Dadurch wird sichtbar, dass Harmonie nicht statisch ist, sondern stets auch von Spannung, Bewegung und Abweichung lebt. So kann etwa eine nüchterne Autobahnauffahrt zu einem ornamentalen Bildraum werden, der an orientalische Arabesken erinnert.

Bei „symmetrics“ wird das Prinzip der geometrischen Balance aufgegriffen, zugleich durch Unregelmäßigkeiten und Verschiebungen gebrochen.  Die Arbeiten dieser Serie wirken auf den ersten Blick streng geordnet: gespiegelte Bildstrukturen erzeugen eine klare formale Stabilität. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass die Form nicht vollkommen geschlossen ist. So entsteht eine Bildsprache, in der Ordnung und Abweichung nicht als Gegensätze erscheinen, sondern einander bedingen.

Das aus dem griechischen stammende Wort „Kaleidoskop“ bedeutet sinngemäß „schöne Formen sehen“, während „Symmetrie“ für Gleichmaß, Harmonie und Ordnung steht.

 Auch die Serie „stages“ arbeitet mit multiplizierten und gespiegelten Bildfeldern. Menschen erscheinen mehrfach in einer Komposition, wodurch alltägliche Szenen eine künstliche, beinahe theatralische Wirkung erhalten. Die fotografierten Situationen wirken wie choreografierte Momente auf einer Bühne. Realität und Konstruktion überlagern sich und eröffnen neue Lesarten des Sichtbaren.

 In allen drei Serien steht weniger der dokumentarische Inhalt als vielmehr die formale und ästhetische Wirkung im Mittelpunkt. Die Bildtitel sind deshalb nicht beschreibend angelegt, sondern dienen lediglich als Geodaten zur räumlichen Zuordnung der Aufnahmen. Der Blick richtet sich damit konsequent auf Struktur, Rhythmus und visuelle Transformation.

 

 

Peter Kuhnle, geboren 1963, lebt und arbeitet als Fotograf in Radolfzell am Bodensee. Nach einer klassischen Fotografenausbildung und verschiedenen Assistenzen im Raum Stuttgart ist er seit 1993 für internationale Kunden in der Werbefotografie tätig. Seit 1999 ist er Mitglied im BFF - Berufsverband Freie Fotografen und Filmgestalter.

Im Rahmen seiner fotografischen Arbeit war er an Ausstellungen unter anderem in Stuttgart, Köln, Xining und Pingyao beteiligt. Zu seinen Auszeichnungen zählen der Kodak Kalenderpreis, ein ADC Deutschland Gold Award, sowie ein ADC New York Silber Award.

Von 15.10.2026 bis 9.1.2027 findet eine Einzelausstellung in der Leicagalerie Konstanz statt.